Am 5. März 1998 wurde der bosnische Kroate Dražen Erdemović vom Jugoslawien- Tribunal zu fünf Jahren Gefängnisstrafe verurteilt, er saß davon dreieinhalb Jahre ab und lebt heute als freier Mann. Erdemović bekannte sich des Verbrechens schuldig, am 16. Juli 1995 im Rahmen eines Massakers an 1200 muslimischen Zivilisten auf der Branjevo-Farm unweit von Zvornik 70 bis 100 gefangene Bosnier getötet zu haben. Dabei sei ihm als einfachem Mitglied der 10. Sabotageeinheit der bosnisch-serbischen Armee (VRS) keine Wahl geblieben als zu töten, im nicht selbst getötet zu werden, sagte Erdemović. Die Richter zeigten Verständnis, viel Verständnis und Nachsicht, denn sie hatten in Erdemović den Kronzeugen gefunden, den ihr Tribunal brauchte, um diejenigen des Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu verurteilen, die für sie die Kriegsverbrecher im Jugoslawien-Krieg waren.